Van der Putten marschiert zügig durch den
Flur im Polizeipräsidium auf die Treppe zur Pathologie und lässt dabei Hanspeter
verwundert stehen. Als Entschuldigung ruft ihm der Kommissar über die Schulter
zu: „ Das ist kein einfacher Mord mehr, das ist etwas viel Grösseres! Ich
möchte sofort beide Leichen noch einmal genau untersuchen, diesmal weiss ich,
wonach ich suche!“
Mit grosser Wucht stösst Rudi die Tür zum
Leichenschauhaus auf und tritt mit bestimmten Schritten herein, geradewegs zum
Tisch, wo Herr Weiss aufgebahrt liegt. Der Gerichtsmediziner war gerade dabei, der
Leiche die Fingerabdrücke zu nehmen.
„Was ist los, Herr Kommissar? Ist ihnen
noch was eingefallen?“ der Gerichtsmediziner war ein alter Mann, mit buschigen
grauen Haaren und zu hellen Augen, der selbst schon etwas wie eine Leiche
aussieht. Rudi tritt etwas ausser Atem an den Tisch heran und betrachten das
Opfer „Ist...,ist ihnen an der Leiche etwas ungewöhnliches aufgefallen, Herr
Doktor? Am Knöchel zum Beispiel?“
„Nein, aber wir können gerne zusammen nachschauen, was
vermuten Sie denn?“ Wortlos zieht Rudi dem Opfer den rechten Schuh und Socken
aus, erschrickt kurz und lässt sich dann etwas bleicher als vorher nach hinten auf
einen Bürostuhl fallen.
Der Gerichtsmediziner schaut sich den Knöchel selber an
und entdeckt drei kleine Punkte, die zusammen ein Dreieck bilden auf der dünnen
Haut über dem Knöchel eintätowiert.
„Was hat das zu Bedeuten, Herr Kommissar?“
der Arzt legt den Fuss zurück auf den Boden und schaut den Kommissar mit
eindringlichem Blick an.
In diesem Moment kommt Franziska in den Saal und steht
neben den Gerichtsmediziner. Rudi scheint in den letzten Minuten ein paar Jahre
älter geworden zu sein. Ohne den Blick vom Boden zu heben beginnt er mit
heisseren Stimme zu erklären: „ Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es sich um die Tat
eines perversen Serienmörders handelt, der seit mehreren Jahrzehnten unaufgehalten
mordet und sich ein Spiel daraus gemacht hat, sich von mir nicht schnappen zu
lassen. Er hinterlässt am Tatort immer einen Löwenzahn, darum nennen wir ihn
den Löwenzahn-Killer. Warum wissen wir nicht genau. Seine Opfer haben allesamt
drei Punkte auf dem rechten Knöchel, als wären sie gebrandmarkt und schon lange
dafür bestimmt, von ihm getötet zu werden. Doch wir haben herausgefunden, dass
die Opfer alle in einen Verbindung zu einander stehen und wir vermuten, dass es
sich um eine Organisation oder eine Bruderschaft handelt.“
„Hinterlässt er immer zwei Opfer am selben
Tatort in unterschiedlichen Räumen?“, Franziska fühlt sich dazu verpflichtet
die Ruhe zu bewahren und sachlich die Sache anzugehen, wenn ihr Chef schon die
Nerven verloren zu haben scheint. Der Kommissar schreckt auf diese Frage auf
und blickt sie entgeistert an. „ Fräulein Franziska, du bist genial! Nein, in all
seinen Auftritten bisher, gab es immer nur einen Toten!“
Er springt auf und geht zu einem weiteren Leichentisch. Das
zweite Opfer steckt in einem Leichensack. Der Kommissar reisst den
Reisverschluss auf, streift Schuhe und Socken von der Leiche ab und blickt
verdattert auf untätowierte Knöchel.
„Dieses Mall ist es anders, es scheint als
wäre ihm dieser Mann in die Quere gekommen. Er beginnt Fehler zu machen...“
Fortsetzung
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